Bericht über den “Fun with Dogs”- Tag am 11.11.2001

 

 

Warum ein “Fun with Dogs”-Tag?

 

Der wichtigste Grund für das Treffen war, mit möglichst vielen Gleich­ge­sinn­ten - also Hundefreunden - einen schönen Tag zu verbringen. Es sollte aber nicht “nur” ein Spaziergang wer­­den, sondern ich wollte das Zu­sammentreffen vieler SWH’s und TWH’s nutzen, um ein paar, viel­leicht für viele Teilnehmer unge­wöhn­liche, Ausbildungs- und Ver­hal­tensübungen vorzustellen.

 

Es ging mir nicht darum, den geplanten Wesenstest zu trainieren und deshalb habe ich ein Übungsprogramm angeboten, das zwar auf solche Tests vorbereitet, aber dabei einen alter­nativen Weg geht. Auch haben diese Übungen nichts mit der klassischen Hundeerziehung zu tun, wie man sie meist von Hundeplätzen oder Hundeschulen kennt.

 

Seit fast einem Jahr arbeite ich unter anderem einmal pro Woche mit einer Gruppe unterschiedlichster Rassen und Mischlinge, klei­ne und große Hunde. Die Hundebesitzer sind begeistert bei der Sache und würden am liebsten mehrmals in der Woche die Übungs­stunden wahrnehmen. Und ich bin da­von über­zeugt, dass gerade solche sanf­ten Me­thoden ideal geeignet sind, um Ver­­halten, Erziehung und Aus­bil­dung unserer Wolfshunderassen in die richtigen Bahnen zu lenken, ihnen die Scheu zu nehmen und ihre hohe Intelligenz zu fördern, ohne Druck und ohne Zwang.

 

Zur Vorgeschichte

Auf dem Hundeplatz, auf dem wir waren, werden Übungs­stunden zur Begleithundeprüfung ange­boten. Nach 9 bis 12 Mo­naten legen die Teams (ein Team = ein Hund und ein Mensch) die BGVP-Prüfung ab, die aus einer Sachkundeprüfung, einem Ver­hal­­tenstest (Stadtgang mit allem, was auch in unserem Wesens­test vorkommen soll) und einer Ge­horsamkeitsprüfung auf dem Hun­de­platz besteht. In den o. e. Übungs­­mo­naten kommen die Teams meist ein­mal, einige sogar zweimal pro Wo­che, zum Üben auf den Hundeplatz.

 

Nach erfolgreichem Abschluss der BGVP können die Teams in der sog. Leistungsgruppe auf dem Ge­lernten aufbauen und/oder in der Agility-Gruppe trainieren.

 

Bei meiner Arbeit in der BGVP-/Leistungs- und Agility-Ausbildung gab es immer wieder Hunde­halter, die mit dem Angebot nicht so ganz zufrieden waren. Nicht jeder hat Interesse, mit seinem Hund Ausbildung zu betreiben, die immer nur ein Ziel hat: Prüfungen abzulegen und Turniere zu gewinnen. Viele Hundehalter wollten sich einfach nur mit ihren Hunden in ihrer Freizeit beschäftigen, ohne irgendeinen Leistungsdruck.

 

 

Dazu kam, dass fast alle Ausbilder die BGVP-Ausbildung und das Leis­tungs­training fast ausschließlich nach klassischen Ausbildungsmethoden ablaufen ließen. Auch das traf nicht den Geschmack aller Hundehalter. Viele wollten ruhiger und sanfter mit ihren Hunden umgehen, als die Trainer es vormachten und immer noch tun.

 

Ich persönlich glaube nicht, dass Kasernenhofton, laute, teilweise gebrüllte und ständig wiederholte Kommandos die Bindung zwischen Hund und Hundebesitzer fördern und erst recht nicht eine Erziehung/Ausbildung vermitteln, die auf Vertrauen zum Hundebesitzer und ein starkes Selbstbewusstsein des Hundes basiert.

 

Die neue Gruppe, die ich vor ca. ¾ Jahr ins Leben gerufen habe, sollte eine Alternative zu dem bisherigen Angebot sein. Aus Fachliteratur und vielen Seminaren habe ich mir alles das herausgefiltert, von dem ich der Meinung war, dass es dazu beitragen könnte, die Beziehung zwischen Hund und Hundehalter zu vertiefen und zu festigen und dem Hund helfen könnte, sein Selbstbewusstsein zu stärken und ein starkes Vertrauen zu seinem “Boss” aufzubauen. Denn das zeigte sich in allen Trainingsstunden immer wieder: Es gibt eine große Zahl von Teams, die einfach kein Team sind. Die Beziehung zwischen Hund und Mensch ist oft nicht vorhanden und man fragt sich: Was will der Mensch eigentlich mit dem Hund? und: Was hat der Hund von diesem Menschen?

 

Das mittlerweile umfangrei­che Übungsprogramm steht in keinem Lehrbuch. Ich habe meist nur Ideen aufgegriffen und daraus eigene Übungen entwickelt. Wichtig war für mich, die Übungen so zu gestalten, dass der durch­schnittliche Hundebesitzer sie nachvollziehen kann und be­reitwillig mitmacht. Philosophien wie LindArt® oder Tellington Touch z. B. bie­ten tolle Ansatzpunkte für jeden Hunde­be­sitzer, aber nur die wenigsten von ihnen set­zen die Philosophie konsequent um.

 

Bei der Zusammenstellung einer neuen Übung überlege ich deshalb immer:

Werden 80 % der Hundebesitzer die Übung mitmachen?

Kann die Übung nach einigen Trainingseinheiten ein nachvollziehbares Erfolgserlebnis für Hund und Hundebesitzer bringen?

Könnten Hund und Hundebesitzer bei dieser Übung Spaß haben?

 

Es bringt wenig, den Hundebesitzer zu übertriebenen pantomimischen Übungen á la LindArt® zu zwingen, wenn er sich bei den Verrenkungen lächerlich vorkommt und beim nächsten Mal lieber zu Hause bleibt.

 

Es bringt nichts dem Hundehalter den Python-Touch beizubringen, wenn er nicht davon überzeugt ist, dass so ein bisschen Haut hin und her schieben beim Hund eine Veränderung bewirken kann. Hier und da bietet sich die Gelegenheit, solche Methoden zu erklären und es findet sich auch schon mal ein Hundehalter der mehr über die eine oder andere Methode erfahren möchte. Dadurch geht uns der Gesprächsstoff auch nach dem offiziellen Training nicht aus. Im Übrigen ist die Unterhaltung mit den Hundehaltern sehr wichtig, nur so erfahre ich mehr über den Alltag des jeweiligen Hundes und kann auch individuell auf das Verhalten des Hundes eingehen.

 

Die Gruppe besteht z. Z. aus 16 Teams (die nicht immer alle da sind, sonst wäre es für einen Trainer schon zu viel), die zum Teil von Anfang an dabei waren, aber z. T. auch neu hinzugekommen sind, wenn an­dere ausgeschieden sind. Denn das, was wir tun, liegt oft an der Grenze des Nachvollziehbaren und wer zu ungeduldig ist und nach einer Trai­ningseinheit bereits den Erfolg vermisst, der ist lei­der auch für diese Gruppe nicht geeignet.

 

Bisher haben sich die Erfolge manchmal kurz- meist aber mittelfristig bei Hund und Mensch eingestellt. Und alle Teams sind mit Spaß und Engagement dabei.

 

Erfolg bedeutet für mich, wenn Hundehalter mir sagen: Der Hund weiß genau wo wir hinfahren, wenn wir Montagabends ins Auto steigen. Seine Vorfreude steht im krassen Gegensatz zu

seiner Teilnahmslosigkeit, wenn wir Samstagnachmittag zum Leistungstraining fahren. Oder: Seit dem Training ist mein Hund auf dem Agility-Parcours viel aufmerksamer und exakter. Er meistert die Hindernisse wesentlich besser.

 

Die Gruppe besteht aus Hunden der unterschiedlichsten Rassen, Mischlinge, große und kleine Hunde, also eine bunt gewürfelte Meute. Vom Dackel bis zur Bordeaux-Dogge ist alles dabei, seit Juni 2001 auch ein SWH (Aslan, sein bester Freund ist übrigens die Bordeaux-Dogge).

 

 

Treffen um 12.00 Uhr

 

Damit die Hunde sich zunächst einmal kennen lernen konnten, haben wir einen gut 1½ stündigen Spaziergang durch Wald und Flur unternommen. Der Spaziergang verlief sehr harmonisch, weder Spaziergänger, Mountain-Biker noch Rei­ter waren ein Problem für ir­gendeinen der Hunde. Al­les Alltagsübungen für den Verhaltenstest. Teilgenom­men haben ein Mops, ein DSH, ein TWH und fünf SWHs.

 

Anschließend sind wir zum Hundeplatz gefahren und zwei weitere SWHs kamen noch dazu. Wir haben uns bei Kaffee und Kuchen vom Spaziergang erholt und während die Hunde das Gelände erkundeten, habe ich einige Übungen vorbereitet.

 

 

Grundsätzliches zu den Übungen

 

An diesem Tag habe ich eine Auswahl aus einem mittlerweile sehr großen Übungsrepertoire gezeigt, um den Teilnehmern zu vermitteln, was alles möglich ist. Wenn ich mit der wöchentlichen Gruppe arbeite, beschränken wir uns natürlich auf eine kleine Zahl von Übungen, um diese dann auch intensiver trainieren zu können. Die Lernfähigkeiten der verschiedenen Hunde sind z. T. sehr unterschiedlich und darauf muss ich individuell eingehen.

Kein Hund und kein Mensch wird über­for­dert. Alles läuft absolut ruhig ab. Natürlich nicht bei Action-Spielen, da ist die über­schwängliche Motivation des Menschen mit teilweise lau­tem Anfeuern und wil-dem Ges­tikulieren gefor­dert.

 

Aber es gibt keine gebrüll­ten Kommandos. Alle Kommandos werden so gezielt und so sparsam und so ruhig wie möglich eingesetzt. Wenn ein Hund eine Übung oder ein Hindernis nicht akzeptiert, bekommt er ausreichend Zeit, sich damit vertraut zu machen und es zu erkunden. Bei aufgeregten Hunden ist dies ganz wichtig. Wenn ich dem Hund den Stress nicht nehmen kann, ist er für keine Übung bereit. Hier kommt der Mensch wieder ins Spiel. Die Ruhe des Menschen geht auf den Hund über und wenn beide ruhig sind, kann praktisch jede Übung angegangen werden.

 

Ich müsste eigentlich sagen: Ich versuche die Menschen zu erziehen. Das ist der schwierigste Teil. Bring’ mal einem Menschen bei, Ruhe auszustrahlen, wenn der Hund wie so ein aufgescheuchtes Huhn hin und her flattert.

 

Oder bring’ mal einem Menschen die o. e. über­schwängliche Motivation bei, indem er deutliche Mi­mik, Gestik und Kör­per­sprache einsetzt, statt eines mehr oder weniger vom Hund ignorierten Kom­man­dos. Da muss mann/frau über den eigenen Schatten springen. Aber, wenn dieser Punkt erreicht ist, wird der Hund auf­merksamer denn je und die intensive Bin­dung zwischen Hund und Mensch beginnt. Jetzt keine Angst: Wie bereits o. e. machen wir keine übertriebene Pantomime á la Ekkehard Lind. Wer das möchte, der sollte sich auch gezielt mit der Philosophie der LindArt® beschäftigen. Nein, unsere Kör­persprache überfordert keinen Durch­schnitts­menschen, wir setzen einfach nur gezielt Arme, Beine, Körper und Kopf ein, um dem Hund Sichtzeichen zu geben bzw. die Hörzeichen zu unterstützen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Wettrennen (wird später beschrieben).

 

Bei manchen Men­schen denke ich, dass es einfacher wäre, wenn ich den Hund alleine leiten würde, aber das ist nicht Sinn und Zweck der Übun­gen. Der Hunde­führer muss Kon­takt zu sei­nem Hund bekommen. Ich mische mich auch so wenig wie möglich ein. Genauso sanft wie die Hundeführer mit ihren Hunden ar­beiten sollen, versuche ich auch die Hundeführer zu korrigieren. Es gibt kei­ne Lorbeerkränze zu gewinnen, keine Urkunden, keiner kann was falsch machen, keiner kann sich bla­mieren. Alle Übungen können wieder­holt werden, solange erkennbar ist, dass es dem Hund etwas bringt.

 

 

Beschreibung der ausgeführten Übungen

 

Meist habe ich nur Anregungen aus Fachbüchern bzw. Fachseminaren übernommen und nach eigenen Ideen und vorhandenen Möglichkeiten Übungen gestaltet.

 

Z. B. bietet die Bodenarbeit aus dem Tellington-Touch eine Unmenge von Mög­lichkeiten, eigene Übungen zu entwerfen. Oder sinnvolle Beschäftigungen für den Hund, bei denen man Lern­sequenzen aus der Aus­bil­dung von Such-, Fährten- und Rettungshunden über­nehmen kann. Ich muss nicht die Vorlagen der Fachleute eins zu eins übernehmen, es reicht die Idee im Kopf zu haben und darauf eigene Vor­stellungen aufzubauen - immer auf die Hun­de in der Gruppe bezogen.

 

Ein toller Fundus sind auch Kinderspiele. Daraus lassen sich tolle Ableitungen für Spie­le mit Hunden machen, die meist von den Teams mit Begeisterung umgesetzt wer­den. Und selbst dabei lernen Hundeführer und Hunde - spielerisch.

 

1. Übung: Ablegen in der Gruppe

Die erste Übung war nicht sofort für jeden HF erkennbar. Ich habe die Gruppe zu mir gebeten um einige Informationen über den Hundeplatz und das, was wir dort machen wollten zu geben. Dazu sollten alle Hunde angeleint werden und neben dem HF in Platz gebracht werden. Teilweise ungläubiges Erstaunen bei den HF: Oh, je, das klappt nicht. Und siehe da, die Hunde verhielten sich fast perfekt ruhig in der Platzposition. Nicht wie eine seit langem trainierte Gruppe, aber fürs erste Mal war es sehr gut. Zugute kam uns natürlich, dass die Hunde einen langen Spaziergang und eine halbe Stunde freies Laufen auf dem Platz hinter sich hatten.

Zweck der Übung: Eine reine Gehorsamsübung. Die Hunde müssen erkennen, wann freies Toben angesagt ist und wann auch einmal Ruhe einkehren muss, weil der HF sich z. B. auf andere Personen konzentrieren muss.

 

2. Übung: Slalom

Mit Agility-Hürden wird ein enger Slalom-Parcours aufgebaut, ohne Stangen. Und zwar so eng, dass ein HF und ein Hund nur sehr eng oder hintereinander durch die Hürden gehen können. Die Teams gehen mit/ohne Leine langsam und bewusst durch den Slalom, der Hund hat hinter jedem Hindernis, durch das nächste Hindernis eine Sichtbegrenzung und muss sich auf den Gang des HF konzentrieren.

Bezug/Vertrauen zum HF wird aufgebaut/gestärkt, eventuelle Angst des Hundes vor Hindernissen wird abgebaut,

 

3. Übung: Weitsprung

Auch dieses Agility-Hindernis wird zweckentfremdet. Die Weitsprung-Elemente werden mit 50 bis 60cm Abstand, so dass der Hund dazwischen stehen kann oder in engem Abstand, so dass nur ein oder zwei Pfoten dazwischen passen, aufgebaut. Der Hund wird dann mit und ohne Leine darüber geführt. Der Hund soll möglichst nicht springen. Der HF beruhigt den Hund soweit, bis er sich auf die Hindernisse konzentriert und seine Beine bewusst über die Hindernisse führt. Den Hund eventuell über dem Hindernis stehen lassen, damit er das Hindernis bewusster wahrnehmen kann.

Der Hund bekommt Bewusstsein für seinen Körper und vor allem für seine Läufe und Pfoten. Er lernt Hindernisse zu überwinden, in dem er seine Pfoten bewusst zwischen die Hindernisse setzt. Das Vertrauen zum HF wird gestärkt.

 

4. Übung: Pfeiler/Mauern

Die Viadukt-Pfeiler dienen als teilweise wackelige Unterlage und werden zunächst aneinander und später mit Abstand flach auf den Boden gelegt. Der Hund wird mit Leine, später nach einer entsprechenden Gewöhnung an die Übung, ohne Leine auf die Pfeiler gelockt. Die Leine muss locker sein, der Hund darf nicht mit Hilfe der Leine auf den Pfeilern festgehalten werden. Er muss jederzeit die Möglichkeit haben oh­ne Leinendruck abzuspringen. Ansonsten wür­de seine eventuell vorhan­dene Angst/Scheu noch verstärkt. Den Hund wieder mit Stim­me/Gestik beruhigen. Die Leine mög­lichst mit einer Hand halten und mit der anderen Hand dem Hund die Laufrichtung zei­gen/interessant machen. Bei dem schwie­rigeren Teil, wenn die Pfeiler übereck liegen und der Abstand dazwischen grö­ßer ist, soll der Hund nicht auf den nächsten Pfeiler springen, sondern mit einem größeren Schritt die Lücke überwinden - ohne die Pfeiler zu verlassen.

Durch die Übung wird die Angst vor unbekannten Untergründen oder Hindernissen abgebaut. Das Vertrauen zum HF wird gestärkt. Der Hund lernt seinen Körper kennen.

 

5. Übung: Plane

Das Laufen über die Plane erfolgt aus dem normalen Gang heraus und ist eine der leichtesten Übungen.

Der Hund lernt fremde Untergründe kennen und stärkt das Vertrauen zu seinem HF.

 

6. Übung: Stern laufen

Hierbei gibt es viele Variationen, um die Übung immer weiter zu steigern. Auf den Fotos ist bereits eine fortgeschrittene Stufe zu sehen, die von den Hunden erstaunlich gut bewältigt wurde.

Aus Stangen wird ein Stern aufgebaut, wobei eine Seite der Stange immer ca. 20 bis 30cm erhöht hingelegt wird, der Hund wird an der linken oder rechten Seite über die Stangen geführt, mit und ohne Leine, zunächst dort, wo die Stangen noch flach auf dem Boden liegen und dann dort wo die Stangen höher liegen, auch bei dieser Übung muss der Hund das Hindernis selbst erkunden, möglichst keine Leinenkorrektur, nicht springen, den Hund beruhigen bis er sich auf die Hindernisse konzentriert und seine Beine bewusst über die Hindernisse führt. Wenn der Hund unruhig ist, ihn über den Stangen stehen lassen, damit er ein Gefühl für das Hindernis und seinen Körper bekommt.

Der Hund bekommt Bewusstsein für seinen Körper und vor allem seine Läufe und Pfoten, er lernt Hindernisse zu überwinden, in dem er seine Pfoten bewusst zwischen die Hindernisse setzt, Vertrauen zu HF wird gestärkt

 

7. Übung: Tisch

Der Tisch ist ein Ruhepol. Der Hund wird auf den Tisch geführt oder springt auf den Tisch - nicht drüber - und nimmt dort Sitz- oder Platzposition ein. Das geht mit und ohne Leine. Der HF umrundet den Tisch, später entfernt er sich, der Hund bleibt liegen, dann wird er vom Tisch abgerufen.

Vertrauen zum HF wird gestärkt, Gehorsam wird gefördert.

 

8. Übung: fester Tunnel

Der Hund wird langsam und vorsichtig an das Durchlaufen des Tunnels herangeführt, z. B. mit Leckerlis in den Tunnel werfen oder an einer Seite absetzen und von der anderen Seite lockt der HF den Hund durch den Tunnel. Wenn der Hund im Tunnel ist, an dem Ende, wo er rauskommen soll, motivierend rufen. Geht der HF dazu am Tunnel vorbei, ruft er den Hund schon, so erkennt der Hund die Richtung, in die der HF sich bewegt.

Die Angst vor neuen Dingen wird abgebaut. Großes Vertrauen zum HF ist erforderlich, das durch die Übung aufgebaut und verstärkt wird.

 

9. Übung: Wettrennen

Hierbei lernt vor allem der HF. Die einzigste Aufgabe besteht darin, seinen Hund so stark zu motivieren, dass er durch die Wettkampfbahn “fliegt”.

Eine 20 bis 30m lange Strecke wird mit Stangen und Flatterbahn abgesteckt und zwar zwei direkt nebeneinander liegende Laufgassen. Das Flatterband wird in Körperhöhe eines mittelgroßen Hundes gespannt. Das Band darf ruhig flattern. Jeweils zwei Hunde werden an einer Seite der Rennstrecke abgesetzt. Der HF geht durch die Renn­strecke an das andere Ende, dreht sich herum und wartet auf das Startsignal des Spiel­leiters. Solange muss der Hund sitzen bleiben und im Idealfall aufmerksam seinen HF beo­bachten. Auf das Startsignal hin ruft der HF mit großem motivierenden Getöse seinen Hund durch die Rennstrecke zu sich. Entscheidend ist die überschwängliche Motivation des HF. Es fällt vielen HF schwer, so aus sich herauszugehen - vor allem mit Mimik und Gestik, dass der Hund wirklich den Eindruck bekommt: Ich muss in zwei Sekunden bei meinem HF sein, da geht unglaubliches Spiel und Spaß ab.

Hierbei wird die Beziehung zum HF aufgebaut/gestärkt. Der Hund lernt seinen Spielkameraden HF kennen. Und Hunde und Menschen haben Spaß ohne Ende

 

Allgemeines zu den Übungen

Natürlich ist dies nur ein kleiner Teil der möglichen Übungen. Ich wollte und konnte aus Zeitmangel an diesem Tag nur einen kleinen Einblick in unsere Arbeit geben. Die meisten Übungen waren bereits aus dem Fortgeschrittenen-Bereich und erfordern einen längeren Aufbau über einige Trainingseinheiten. Die Hunde werden langsam an jede neue Übung herangeführt. Wie bei den Menschen hat der eine es schneller drauf und der andere braucht ein wenig länger, um sich mit einer neuen Übung vertraut zu machen. Dafür, dass die SWH’s und der TWH dies zum erstenmal gemacht haben - mit dieser Schwierigkeitsstufe - war es absolut zufriedenstellend. Ich bin fest davon überzeugt, bei regelmäßigem Training meistern die Wolfshunde die Hindernisse und das Vertrauen und die Beziehung zum HF wird enorm gefestigt.

 

Ich betone nochmal, die Hunde werden zu nichts gezwun­gen. Sie werden an­geleitet, geführt und vor allem motiviert. Wer einen Garten hat, kann mit ein­fachen Mitteln eige­ne Geräte aufbauen. Ein Brett auf ein paar Steinen gelegt und schon ist ein kleiner Laufsteg fer­tig. Unter die Mitte eines Brettes ein Stück PVC-Abwasserrohr und fertig ist eine kleine Wippe (eine tolle Übung, viel Geduld, Motivation, Vertrauen). Ein paar Autoreifen hintereinander oder übereinander gelegt und den Hund durch/auf die Reifen gehen lassen. Mit ein bisschen Phantasie kann man aus zwei Eimern und einem Besen eine kleine Hürde bauen.

 

Also, wie gesagt, es sollte/konnte nur ein kleiner Einblick in eine etwas andere Arbeit mit Hunden sein, ohne Zwang, ohne laute Kommandos, aber mit viel Liebe zum Hund.

 

Ende des “Fun with Dogs-Tages”

Nach den Übungen hieß es wieder Leinen los und die Hunde unter sich toben lassen.

 

Die letzte Übung haben wir dann beim “Italiener” gemacht. Mit dem Aufzug, das hat leider nicht geklappt. Sergio (der Italiener) hat sofort zugesagt, dass wir mit so vielen Hunden in sein Restaurant dürfen (was auch nicht selbstverständlich ist) und die Hunde haben sich von ihrer “besten” Seite gezeigt und haben friedlich ohne irgendeinen Muckser im Restaurant gelegen - geschafft von den Eindrücken des Tages. Auch wenn die Übungen ohne große körperliche Anstrengungen ablaufen, die Hunde werden enorm gefordert und oft sind sie mehr erschöpft, als wenn sie mehrere Stunden spazieren gegangen sind.

 

Fazit für mich: Ein schöner Tag. Schade, dass wir so weit auseinander wohnen.

 

Copyright Hans-Willi Pertenbreiter